Alkoholabhängigkeit ist ein Thema, das nicht nur die betroffene Person betrifft, sondern die gesamte Familie. Als Psychologe in Graz mit Erfahrung in der Suchtprävention bei der VIVID-Fachstelle für Suchtprävention in der Steiermark sehe ich immer wieder, wie sehr Kinder unter der Alkoholerkrankung eines Elternteils leiden.
Alkoholabhängigkeit betrifft die ganze Familie
Leidet ein Elternteil unter einer Alkoholabhängigkeit, verändert sich das Leben für die ganze Familie. Der Familienalltag wird vom Alkoholproblem dominiert: Hat er oder sie heute getrunken? Wann und in welchem Zustand kommt er oder sie nach Hause? Die Situation kann sich täglich ändern und Planung wird oft schwierig.
Viele Eltern glauben ihrem Kind unnötige Belastung zu ersparen, wenn sie das Alkoholproblem verschweigen. Sie wünschen sich, dass das Kind nichts von den Schwierigkeiten mitbekommt. Leider ist das nicht der Fall. Auch wenn Eltern versuchen, ihr Kind zu schützen, nehmen Kinder die Spannungen und die belastete familiäre Atmosphäre wahr. Kinder können die schwierige Situation vielleicht nicht verstehen und einordnen, spüren aber ganz genau, dass 'etwas nicht stimmt'.
Kinder nehmen die Schuld auf sich
Kinder glauben häufig am Suchtproblem ihrer Eltern Schuld zu sein. Sie sind überzeugt es sei ihre Schuld, wenn ein Elternteil wütend wird, krank ist oder getrunken hat. Sie haben Schamgefühle und Angst, fühlen sich einsam oder sind enttäuscht. Viele Kinder sind verunsichert und wissen nicht, was sie tun sollen.
In meiner Arbeit als Kinderpsychologe in Graz erlebe ich, wie tief diese Schuldgefühle sitzen können. Kinder entwickeln häufig Strategien, um die familiäre Situation zu kontrollieren oder zu kompensieren. Sie versuchen, besonders brav zu sein, übernehmen Verantwortung für jüngere Geschwister oder versuchen, den trinkenden Elternteil zu "retten". Diese Rollenübernahme kann langfristige Folgen für die psychische Gesundheit der Kinder haben.
Die Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung
Kinder aus alkoholbelasteten Familien haben ein erhöhtes Risiko für verschiedene psychische Belastungen. Dazu gehören Ängste, Depressionen, Konzentrationsschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten und Probleme im sozialen Umgang. Viele dieser Kinder tragen ihre Erfahrungen bis ins Erwachsenenalter mit sich, wenn sie keine Unterstützung bekommen.
In der Steiermark sind laut Schätzungen tausende Kinder von der Alkoholerkrankung eines Elternteils betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch, weil Alkoholprobleme in der Familie häufig tabuisiert werden. Umso wichtiger ist es, dass es niederschwellige Angebote gibt, die Kindern und Familien helfen.
Wie Sie Kindern helfen können
In der Kindergruppe 'Wirbelkiste' können Kinder über ihre Gefühle sprechen. Im Austausch mit anderen betroffenen Kindern, erfahren sie, dass sie nicht alleine sind. Diese Erkenntnis führt für viele Kinder zu einer grossen Entlastung.
Neben Gruppenangeboten biete ich in meiner Praxis in Graz auch Einzelberatung und Familienberatung an. Dabei geht es darum, dem Kind einen sicheren Raum zu geben, in dem es über seine Erfahrungen sprechen kann, ohne Angst oder Scham. Gleichzeitig arbeite ich mit den Eltern daran, die familiäre Situation zu stabilisieren und dem Kind die Unterstützung zu geben, die es braucht.
Wenn Sie in Graz oder der Steiermark leben und sich Sorgen um Ihr Kind machen, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der erste Schritt ist oft der schwierigste, aber er kann den entscheidenden Unterschied machen.
In unserer Praxis bieten wir auch Elternberatung und Familienberatung sowie Coaching und Beratung für betroffene Familien an.
Mag. Michael Sailer ist klinischer und Gesundheitspsychologe in Graz mit Erfahrung in der Suchtprävention (VIVID-Fachstelle, Steiermark). Er bietet Einzelberatung, Familienberatung und Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche an. Kontakt: +43 664 367 2018 oder office@praxis-sailer.at.
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